31 oct. 2026

"L'ORFEO"- MONTEVERDI - OPERA DE VIENNE - 25 et 28 10 26 (2)

 

Photo : Marcel Urlaub 



 


Les chroniques d'Ingrid Adamiker : 

L’ORFEO – 25.10.26 Wiener Staatsoper
TEIL 1 von 2
Mir hat bereits die erste Vorstellung vom 25.10. gut gefallen; ich kannte die noch nicht sehr alte Inszenierung von Tom Morris noch nicht live. Die Kritiken waren etwas verhalten und trafen meine Ansichten nicht wirklich. Ich bin kein Fan von bis zur Unkenntlichkeit umgemodelten Aufführungen, aber das war ja hier eher nicht der Fall. Die Referenzen waren mehr oder weniger klar, also das „Who’s who“ und „Where are we“ hat gepasst. Am Mittwoch (28.10.) hatte ich eine globalere Sicht auf die Bühne, also, ja, das Szenenbild ist bemüht und ganz ansehlich, tutto sommato.
Besonders schön fand ich das Finale: Nicht nur Orfeo blutet in langen seidenen Streifen auf der aus Ästen geflochtenen und in luftige Höhen gezogenen Gondel, auch das Hirten- und Nympfenvolk weint dünne rote Tränenstränge. Da musste ich bitterlich weinen. Denn ich bin ein großer Fan von Orfeo und Euridice (unter anderem gehört Marcel Camus’ Orfeo Negro zu meinen zehn liebsten Filmen).
Aber nun zur Musik. Vorweg: Ich bin kein Fan von Barockmusik. Ich mag Puccini und Tenöre. Punkt. Aber ich bin empfänglich für alle möglichen Arten von Kunst und ziehe meinen Hut (bzw. eher meinen Mofahelm) vor sublimer Kunst. Das ist wie beim Wein: Ich als Sommelière weiß wohl, wenn ein Wein gut gemacht ist, aber deshalb muss er mir persönlich noch lange nicht schmecken. Gegenüber der frühbarocken Oper L’Orfeo aus 1607 ziehe ich also meinen Hut bzw. Helm, denn alles passt. Das Durcheinander ist überschaubar. Die scheinbar repetitive Musik wird durch Klatschchöre und Tanz aufgelockert. Die Musiker in – für mich – ungewohnten beigen Outfits beherrschten ihre teilweise ebenfalls – für mich – ungewohnten Instrumente. Bis auf die ab und zu brummtonig klingende Orgel (geht aber durch, siamo nel inferno) war alles sehr fein gespielt.

L’ORFEO – 28.10.26 Wiener Staatsoper
TEIL 2 von 2
Und die Stimmen? Abgesehen vom Auftakt in (mir beinahe völlig unverständlichem) Englisch erklingt bei allen Sängerinnen und Sängern das Italienisch in Tönen genau dort, wo sie hingehören. Und das INKLUSIVE der rasanten Kehlkopf-Verzierungen (die – nicht zu Unrecht – den unschönen Beinamen „Ziegentriller“ haben).
Aber Leute, das Wichtigste (schon wieder für mich persönlich): Das war Rolando. Seinetwegen saß ich ja dort (und werde nochmals dort sitzen). Spiel, Gesang, Freude, Gestik, Mimik – tutti frutti, alles paletti. Villazón ist oben und in der Unterwelt zu Hause. Er singt und spielt Orfeo, er ist Orfeo, und er stirbt wie Orfeo. Punkt. Großartiger Abend. Punkt.
PS: Der relativ kurze Applaus ist – für mich – eine lästige Modeerscheinung im Instagram-Zeitalter. Leute – etwas mehr Muße würde euch gut tun! Das Ensemble hat ja hart gearbeitet für Euch!

Ingrid Adamiker
Besetzung:
La Musica / La Speranza / Eco: Nadezhda Karyazina
Orfeo: Rolando Villazón
Euridice: Florina Ilie
Boticella / Proserpina: Margaret Plummer
Plutone: Matheus França
Caronte: Wolfgang Bankl
Apollo: Hiroshi Amako
Nymphe: Prya Pariyachart
Ein Hirte: Iurii Iushkevich (wow!!!)
Musikalische Leitung: Stefan Gottfried
Inszenierung: Tom Morris
Bühne & Kostüme: Anna Fleischle
Licht: James Farncombe
Video: Nina Dunn
Choreografie & Bewegungsregie: Jane Gibson, Callum Hastie
Orchester: Concentus Musicus Wien
Chorakademie der Wiener Staatsoper
Jugendkompanie der Ballettakademie der
Wiener Staatsoper


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